Das Schiltacher Schnurren

Eine im Kinzigtal schon lange gepflegte Fasnetstradition hielt auch irgendwann in Schiltach Einzug, das Schnurren. Treibende Kräfte waren der aus Wolfach stammende Georg Brahm und Philipp Armbruster. Eher belächelt wurden die ersten Bemühungen der Schiltacher Schnurranten vor allem in der benachbarten „Schnurrhochburg“ Wolfach, wo man den Schiltachern so etwas nicht zutraute. So konnte man von dort hören: „Was, Ihr wellet schnurra! Des klappt doch nie.“ Dass man mit dieser Ansicht falsch lag beweist die Tatsache, dass sich in Schiltach nach wie vor einer wachsenden Beliebtheit erfreut.

Man traf sich in der Regel nach dem 11. November zum erstenmal. Bei diesem Treffen, wurden dann die Schnurrgruppen zusammengestellt. Feste Zusammensetzungen der einzelnen Gruppen gab es damals – bis auf wenige Ausnahmen – noch nicht. Einzelne Schnurranten wechselten jährlich von einer Gruppe zur anderen. Die Schnurrthemen wurden zum damaligen Zeitpunkt noch verlost. Dass so ein Thema bis zum Schnurrsonntag geheim zu bleiben hatte war selbstverständlich. Am Vorabend des Schnurrens fand immer eine Generalprobe statt, zu der außer den Schnurranten nur der Elferrat zugelassen war. Diese Regelung wurde in späteren Jahren wieder fallengelassen, weil manche Gruppen bis zu diesem Zeitpunkt mit ihrem Thema noch gar nicht fertig waren oder gar keines hatten. Es gab nämlich auch Schnurrgruppen, die beim Schnurren ohne Vorbereitung auftraten und ihr Programm komplett je nach Zuhörer improvisierten, was bedeutet, dass man sich im Publikum ein passendes Opfer suchte um diesem dann den Narrenspiegel vorzuhalten.

"Schnurren in den Anfangsjahren"
Die Schnurrgruppe "Schäufele und Stiel"

Ein Problem ergab sich beim des öfteren durch die große Anzahl an Gaststätten. In den 50er Jahren wurde teilweise in bis zu 17 Gaststätten geschnurrt und das in der Regel mit 6-8 Gruppen. Das bedeutete, dass in jedem Lokal nach einer Schnurrgruppe eine Pause eingelegt werden musste. Bei einer Programmlänge von geplanten 20 Minuten, bedeutete dies für jede Gruppe eine Auftrittszeit von mehr als 5 ½ Stunden, ganz zu schweigen von der Menge „Achtele“, die jeder Schnurrant bei dieser großen Anzahl von Gaststätten zu vernichten hatte. So kam es schon mal vor, dass ein Schnurrant aufgrund unerklärlicher Sprach- oder Gleichgewichtsstörungen aus dem Verkehr gezogen werden musste. In der heutigen Zeit ist das wegen strenger Doping-Kontrollen durch Vorstandsmitglieder natürlich nicht mehr denkbar. Geschnurrt wird heute in deutlich weniger Lokalen, was aber nicht weniger Stress für die Schnurranten bedeutet, da inzwischen 30 Minuten pro Auftritt einkalkuliert werden

Dem Zuschauer bietet sich so ein abendfüllendes Programm über dessen Eintrittspreis er je nach dem entrichteten Obulus selbst entscheidet. Eine Trennung des Schnurrens in zwei Abschnitte – mittags und abends – erfolgte erst 1957; auch um die Anzahl der Pausen für die einzelnen Gaststätten zu reduzieren und um den Schnurranten dazwischen eine Pause zu gönnen, die aber ab und an hauptsächlich zur Wiederherstellung der Dienstfähigkeit herhalten musste. Heute unvorstellbar – damals Tatsache – war, dass die Freie Narrenzunft die Gastwirte schriftlich darauf hinwies am „Schnurrsonntag“ auch genügend Wechselgeld zur Verfügung zu haben, um eine ordentliche „Entlohnung“ der Schnurrgruppen zu gewährleisten.